Stadt Kassel stellt Masterplan für Entwicklung städtischer Kultureinrichtungen vor

Ziel der Masterplanung sei es, die Standorte und Aktivitäten der städtischen Museen, Archive und Kultureinrichtungen sowie ihre Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen, unterstrich der Oberbürgermeister. Oberbürgermeister Hilgen: „Für deren Umsetzung gibt es zwar aktuell weder politische Beschlüsse noch Mittel für ihre Verwirklichung, aber eine strategisch vorausschauende Kulturentwicklungsplanung verlangt das Aufzeigen von langfristigen Entwicklungslinien. Mit seiner umfassenden Bestandsaufnahme und  dem Aufzeigen der optionalen Möglichkeiten ist der Masterplan Teil 2 eine hervorragende Grundlage für die weitere kommunalpolitische und öffentliche Diskussion.“

Naturkundemuseum

Dank seiner hervorragenden Museumsarbeit und interessanten Ausstellungen erreicht das Museum bis zu 100.000 Besucher jährlich. Das Museum stößt allerdings aufgrund seiner räumlichen Situation an seine Grenzen. Alle Möglichkeiten zur Optimierung sind ausgeschöpft. Folgende Maßnahmen werden empfohlen:

  • Erweiterung der Flächen
  • Neuordnung der Ausstellungsflächen
  • Ergänzung fehlender Nutzungen (z.B. Cafeteria)
  • Integration der Präparationswerkstätten in das Ottoneum.

Zur Lösung der Raumproblematik wird ein zirka 600 Quadratmeter umfassender Neubau angrenzend an das Ottoneum vorgeschlagen.

Stadtarchiv

Das historische Hauptarchiv der Stadt Kassel (Stadtarchiv) befindet sich auf unterschiedlichen Stockwerken im Marstallgebäude. Das Gebäude ist nicht barrierefrei zu erschließen und die Anlage der Räume nicht funktional. Auch besteht ein zusätzlicher Flächenbedarf für das Magazin.

Folgende Maßnahmen werden empfohlen:

  • ein vergrößerter Benutzerraum und eine Garderobe
  • die Verlagerung der Bibliothek in den Benutzerraum
  • ein Veranstaltungs-/Schulungs- und Ausstellungsraum
  • die Einrichtung eines klimatisierten Fotoarchivs
  • zusätzliche Büroräume
  • eine bessere Ausstattung mit Sanitärräumen.

Für die Umsetzung der Maßnahmen könnte entweder – nach Ausbau – das Dachgeschoss des Marstallgebäudes hinzugenommen werden, ein Archivneubau geplant oder ein bestehendes Gebäude angemietet oder angekauft werden.

documenta Archiv

Die einzelnen Abteilungen des documenta Archivs sind unter äußerst beengten Bedingungen im Erdgeschoss des Kulturhauses Dock 4 untergebracht. Bibliothek, Archiv und Verwaltungsräume sind nicht in einer räumlichen Einheit verbunden.

Damit die documenta auch zwischen den Ausstellungsjahren in der Öffentlichkeit präsent ist, wird die Einrichtung eines documenta Zentrums empfohlen. Dem documenta Zentrum sollten angehören:

  • das documenta Archiv mit dem zu erwerbenden Harald Szeemann-Archiv
  • die documenta Sammlung
  • die documenta Akademie
  • die documenta GmbH
  • die künstlerische Leitung der documenta und der Kunsthalle Fridericianum
  • ein Ausstellungs-, Tagungs- und Veranstaltungszentrum im Verbund mit dem Kunstverein, der Stiftung 7000 Eichen, der Arnold Bode-Stiftung und dem documenta forum

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Kassel hat sich bereits für eine mittel- bis langfristige Realisierung des documenta Zentrums ausgesprochen und das Land Hessen gebeten, das Vorhaben gemeinsam umzusetzen.

Für das documenta Zentrum wird eine Fläche von zirka 5.500 Quadratmeter notwendig sein. Folgende Gebäude werden in die Untersuchung eines möglichen Standortes mit einbezogen: Die documenta Halle, das Kulturhaus Dock 4 und die Bundesbankfiliale am Standort Ständeplatz.

Kulturhaus Dock 4

Das Kulturhaus Dock 4 arbeitet seit 2002 mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendkultur und hat seinen Sitz in der ehemaligen Gerhart Hauptmann-Schule. Es wird von unterschiedlichen kulturellen Produzenten als Probe- und Aufführungsstandort genutzt. Im Kulturhaus Dock 4 befinden sich darüber hinaus die documenta GmbH und das documenta Archiv. Alle Nutzergruppen stoßen an ihre räumlichen Grenzen und haben zusätzlichen Flächenbedarf. Zusätzlich besteht ein erheblicher Sanierungs- und Modernisierungsbedarf.

Perspektivisch würden das Dock 4 ausreichend Platz für die Einrichtung eines documenta Zentrums bieten. Die Kulturszene wäre dann zu verlagern; als geeignetes Areal würde sich der KulturBahnhof anbieten.

Würden die documenta GmbH und das documenta Archiv anderweitige Räumlichkeiten finden, könnte das Kulturhaus Dock 4 die an die documenta GmbH und das documenta Archiv abgegebenen Räume wieder in seine Nutzung übernehmen.

KulturBahnhof

Der KulturBahnhof ist mit seinem Umfeld ein bedeutender kulturwissenschaftlicher Standort in Kassel und hat hessenweit Modellcharakter. Diese Strukturen sind zu stärken, damit sich der Standort und das Schillerviertel in seinen Ansätzen weiter entwickeln können. Die Stadt Kassel hat für ihre derzeit wegen Sanierung geschlossenen Museen Ausstellungsbereiche angemietet. Weitere Flächen könnten perspektivisch Ausstellungsflächen für Kasseler Künstlerinnen und Künstler sein.

Im Umfeld des KulturBahnhofes haben sich im Schillerviertel tragende Akteure wie A.R.M., Galerie Loyal, Lolita Bar, fensterzumhof und Chasalla-Haus angesiedelt.

Diese Strukturen sind zu stärken, damit sich der Standort und das Schillerviertel in seinen Ansätzen weiter entwickeln können.

Technikmuseum

Die Machbarkeitsstudie Technikmuseum kommt 2007 zu dem Schluss, dass sich ein Technikmuseums in Kassel inhaltlich trägt und geht von einem Investitionsbedarf von elf bis 35 Millionen Euro aus. Sowohl das Land Hessen als auch die Stadt Kassel haben erklärt, dass sie gegenwärtig keine Mittel für den Aufbau eines Technikmuseums zur Verfügung stellen können, dass aber grundsätzlich die Option für eine spätere Realisierung offen gehalten werden soll. Dem Verein Technikmuseum ist es gelungen, im ehemaligen Henschelwerk in Rothenditmold eine Halle mit einer Fläche von 2.500 Quadratmeter anzumieten, in der gegenwärtig ein Ausstellungsdepot realisiert ist.

Kulturinformationszentrum

Das Kulturinformationszentrum Innenstadt als Tourismusinformation von Kassel Marketing befindet sich im Rathaus. Die Räume sind sehr beengt und etwas versteckt im Rathaus. Empfohlen wird daher ein neu zu errichtendes Besucherzentrum in der Innenstadt (Friedrichsplatz), das die bisherige Tourismusinformation aufnimmt und auch für andere Kultureinrichtungen touristische Dienstleistungen übernimmt.

Kategorie: Informationen

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