Englische Teerkolonne im Landkreis Kassel unterwegs

Am gestrigen Mittwoch wurde die Beamten der Polizeistation Hofgeismar über eine britische Teerkolonne informiert, die sich im Bereich Immenhausen-Holzhausen aufgehalten und minderwertige Teerarbeiten durchgeführt haben soll. Bereits am Freitag habe der Chef des fragwürdigen Unternehmens gegen 12 Uhr an der Haustür eines 81-jährigen Mannes aus Holzhausen geklingelt und ihm die Instandsetzung einiger Schäden an dem Asphaltbelag auf seinem Hof angeboten. Der Bauarbeiter erklärte ihm, er hätte noch ein paar Teerreste auf seinem Lkw und könne ihm daher die Reparatur der beiden Löcher in der Asphaltdecke zu einem besonders günstigen Preis anbieten. Der 81-Jährige stimmte dem Angebot zu, ohne einen Preis für die Ausführung der Arbeiten vereinbart zu haben. Nachdem der Kolonnenführer nach eigenen Angaben noch zu einer anderen Baustelle gefahren war, kehrte er mit drei Mitarbeitern zurück, die unvermittelt damit begannen, den gesamten Platz mit einem neuen Belag zu überziehen. Obwohl der Rentner ursprünglich nur die Reparatur der Schäden vereinbart hatte, musste er schließlich 6.000 Euro für den neuen Asphalt bezahlen. Er wurde angewiesen, den frisch aufgebrachten Belag für mindestens eine Stunde nicht zu betreten, da dieser zunächst abkühlen und trocknen müsse. Als er den Boden endlich begutachten konnte musste er mit Schrecken feststellen, dass die Arbeiten äußerst minderwertig ausgeführt worden waren. Die Möglichkeit einer Beanstandung gegenüber der englischen Firma hatte er nicht mehr, denn die Arbeiter waren längst über alle Berge.

Weitere Fälle in Immenhausen und Grebenstein

Ähnlich erging es einem 68-jährigen Mann aus Immenhausen. Auch er hat sich bei der Kolonne auf einen Auftrag zur Instandsetzung seines Hofes eingelassen und insgesamt 1.700 Euro für mangelhaft durchgeführte Arbeiten bezahlt.

Am vergangenen Dienstag kam es auch im Raum Grebenstein zu Beschwerden über die Teerarbeiten der britischen Kolonne. Es ist davon auszugehen, dass die dubiose Firma in nächster Zeit weiter im Landkreis Kassel unterwegs sein wird.

Hinweis der Polizei

Die Polizei rät, Teer oder Asphaltarbeiten grundsätzlich von einem Fachbetrieb und nicht von einer durchreisenden Kolonne ausführen zu lassen. Die Qualität der Arbeiten entspricht in der Regel nicht dem deutschen Standard und die scheinbar attraktiven Werkslöhne liegen meist deutlich über den ortsüblichen Preisen. In den bekannt gewordenen Fällen wurde durch die Teerkolonnen lediglich eine dünne Bitumenschicht aufgebracht, ohne den beschädigten Untergrund zuvor abzutragen oder fachgerecht vorzubereiten. Im Anschluss wurde dann mittels einer Walze etwas Splitt eingearbeitet. Die zunächst einheitlich wirkende Oberfläche härtete jedoch nicht vollständig aus und bietet offensichtlich nicht die erwartete Tragfähigkeit.

Abgesehen von der Qualität der Arbeiten kam es in mehreren Fällen zu Beschmutzungen von angrenzenden Fassaden und Gehwegen. Da es sich bei Bitumen um ein schwer zu entfernendes Material handelt, entstanden dadurch zusätzlich hohe Sachschäden.

Im Gegensatz zu den ortsansässigen Unternehmen gestaltet sich die Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen bei reisenden ausländischen Unternehmen schwierig. Nicht selten bleibt der Auftraggeber auf seinen Kosten sitzen. Letztlich muss im Falle der erneuten Ausbesserung der Oberfläche durch einen Fachbetrieb zunächst das minderwertige Material entfernt werden. Die dadurch entstehenden Kosten schlagen dann zusätzlich zu Buche.

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